Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Leben junger Menschen

Die Sportjugend Tauberbischofsheim und die Sportjugend Heidelberg veranstalteten am 8. Juli 2021 ein drittes Online Seminar in ihrer Ausbildungsreihe zum Thema "Auswirkungen der Pandemie auf das Leben junger Menschen". Kurzfristig nahm auch die Sportjugend und der Sportkreis Sinsheim bei dieser Veranstaltung teil. Bei diesem Seminar wurden vor allem Themen wie Depression, Motivationslosigkeit, Antriebslosigkeit, adipöse Erscheinung, Verfall in die Digitalisierung, Austritt aus den Sportvereinen und Rückgang des sportlichen Interesses behandelt. Der Kinder- und Jugendpsychologe Dr. Volker Langhirt aus Aschaffenburg stand bei diesem Seminar als Referent zur Verfügung. Herr Langhirt ist ein erfahrener Kinder- und Jugend-Psychotherapeut und beschäftigt sich hauptsächlich mit analytischer und tiefenpsychologischer Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen.

Dr. Langhirt berichtete davon, dass die Kinder und Jugendlichen im ersten und zweiten Lockdown vor allem in den Schulen aufgrund der weggefallenen Strukturen orientierungslos waren und häufig vom Online-Unterricht nicht viel mitbekommen haben. Sie fielen in ein „Black Hole“ der Anonymität (darunter versteht man, dass Lehrer oder Schüler sich hinter ausgeschalteter Kamera im Schlabber-Look verstecken) – so Langhirt. Vor allem sozial schwächere Familien hat die Pandemie besonders hart getroffen. Außerdem gebe es größere Unterschiede im urbanen zum ländlichen Bereich zum Umgang mit der Krise, so Langhirt. Ebenfalls stellten der Referent und die knapp 40 Teilnehmer in der Diskussion fest, dass die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse einer Familie eine große Rolle spielen. Eines wurde ganz klar herausgearbeitet – die sozial Schwachen sind wieder einmal die am meisten Betroffenen.

Viele Kinder und Jugendliche haben sich in der Zeit des Lockdowns kaum bewegt und saßen nur daheim vor ihren Computern und haben ebenfalls auf gesunde und ausgewogene Ernährung verzichtet. Das Ergebnis ist erschütternd: Viele Jugendliche haben eine starke Gewichtszunahme während der Pandemie erlebt. Dr. Langhirt betonte, dass vor allem Eltern, Lehrer, Trainer und Verantwortliche aus den Vereinen als Vorbild vorangehen und die Kinder an die Hand nehmen müssten.

Viele Kinder und Jugendliche hatten bei der Öffnung der Schulen und Sportvereinen das Problem, dass sofort wieder die Leistung im Fokus stand, hinsichtlich Arbeiten, die geschrieben werden mussten und den sportlichen Leistungen. Kinder sollen dagegen wieder Spaß am Sport und der Bewegung haben und ihre Interessen und Wünsche sollten wieder an erster Stelle stehen, so Langhirt. Auch die Anforderungen in den Schulen sollten gesenkt werden und den Kindern müssen zuerst wieder in den normalen Schulalltag zurückfinden, sprich das soziale Wiederkennenlernen sollte im Vordergrund stehen. Nicht zu unterschätzen war bei den Vereinen auch die Problematik hinsichtlich der langen Zeit der 1:1 Betreuung, die nur möglich war. Hier stand die Gefahr der sexualisierten Gewalt deren möglichen Prävention und Vorbeugung im Raum.

Für Eltern, Schulen und Vereine gilt es jetzt die Kinder an die Hand zu nehmen, auf deren Bedürfnisse einzugehen und ihnen ein Vorbild zu sein. Hervorzuheben ist, dass die Corona-Pandemie die erste Krise war, in der die Verantwortlichen, Erwachsene und Politiker, keine Lösung parat hatten. Wo sollten die Jungen dann Orientierung oder Perspektiven haben? Nun da sich vieles wieder „normalisiert“ hat, ist es umso wichtiger, dass auf unsere Kinder und Jugendliche weiterhin Rücksicht genommen und sie nicht weiter vernachlässigt werden.

Es war ein Ziel, durch das Seminar Impulse für Fragen auch danach zu geben, um einen sensiblen Umgang mit Kindern und Jugendlichen nach der Krise zu betonen. Wie soll das Leben der jungen Menschen - nach Corona - weitergehen? Wird der Sport ein Instrument zur Aufarbeitung der Krise sein und werden die Mitgliederzahlen der Sportvereine wieder steigen? Was kann der organisierte Sport tun, um den Kindern und Jugendlichen den Weg zurück in die Normalität zu erleichtern? Wird sich das Schulleben aufgrund des Präsenzunterrichts wieder normalisieren, werden die Lehrer wieder einen persönlichen, sozialen Bezug zu den Kindern aufbauen können. Manche Fragen konnten in der gemeinsamen Diskussion erörtert werden, manche ließ man bewusst im Raum stehen. Abschließend ist zu dem Seminar zu sagen, dass es ein voller Erfolg war und dass es von den Teilnehmern viele positive Rückmeldung gab.

 

Das Bild zeigt Dr. Volker Langhirt