Wahlkarussell des Kreisjugendrings bringt Landtagskandidaten nach Lauda

Bildung, innere Sicherheit, Integration, ÖPNV und der Klimawandel: Es waren die großen Themen der Zeit, die beim „Wahlkarussell“ des Kreisjugendrings Main-Tauber, der Sportjugend im Main-Tauber-Kreis und der SMV am Montagabend die Agenda bestimmten. In der voll besetzten Aula des Martin-Schleyer-Gymnasiums in Lauda lauschten rund 160 Erstwähler mit großem Interesse den Ausführungen der Vertreter jener fünf Parteien, die derzeit im Landtag vertreten sind.
Anderthalb Stunden lang standen Dr. Wolfgang Reinhart (CDU), Gerd Bayer (Bündnis 90/Die Grünen), Jeanette Fischer (AfD), Can Kurter (SPD) und Mirwais Wafa (FDP, in Vertretung für Erstkandidat Artur Schmidt) Rede und Antwort. Die Jugendlichen beließen es jedoch nicht beim bloßen Zuhören: Sie löcherten die Politiker mit Fragen, die mal detailliert, mal ausweichend beantwortet wurden. Mit grünen (Zustimmung), gelben (neutral) und roten Karten (Ablehnung) gab das junge Publikum immer wieder ein direktes visuelles Feedback, begleitet von Applaus oder gelegentlichen Unmutsbekundungen. Es war eine lebendige Lehrstunde in Demokratie, bevor viele der jungen Menschen am 8. März bei der Landtagswahl erstmals ihr Kreuz setzen werden.
Besonders AfD-Kandidatin Jeanette Fischer sorgte im Laufe des Abends für Diskussionsstoff. Sie bestritt den wissenschaftlich belegten, menschengemachten Klimawandel und behauptete stattdessen: „Einen solchen gibt es zyklisch alle 5000 Jahre.“ Als sie von einem Schüler direkt mit dem weltweit nachgewiesenen Temperaturanstieg konfrontiert wurde, reagierte die 57-Jährige provokant: „Wovor haben Sie denn Angst? Dann brauchen Sie weniger zu heizen…“
Beim Thema Grundsteuer musste Fischer hingegen passen; mutmaßlich mangels Hintergrundwissens erklärte sie: „Ich muss die Frage zurückgeben.“ Konkreter wurde sie bei der illegalen Einwanderung. Hier forderte sie die Schaffung einer „Sonderpolizei“, in Anlehnung an die US-Behörde ICE. Zudem sprach sie sich gegen ein allgemeines soziales Jahr aus und plädierte dafür, „Soldaten zur Landesverteidigung einzusetzen“, diese jedoch nicht auf Auslandseinsätze zu schicken. Fischer kritisierte, dass für vieles Geld vorhanden sei, „nur nicht für die Zukunft unserer Kinder“. Während sie ein steuerfinanziertes Deutschland-Ticket ablehnte, sprach sie sich für Sozialtarife für Schüler und Studenten aus. Einem Social-Media-Verbot für unter-16-jährige erteilte sie eine Absage: „Sie haben ein Recht auf digitale Teilhabe.“
Für die FDP betonte Mirwais Wafa mehrfach seine Überzeugung, dass „eine schwarz-gelbe Regierung das Beste für die Zukunft des Landes“ sei. Er begrüßte die Rückkehr zur verbindlichen Grundschulempfehlung und forderte, „die Bildungsvielfalt zu erhalten“. Wafa warf der amtierenden Landesregierung Versäumnisse in der Digitalisierung und bei Systemreformen vor: „Erst gibt es große Reden, aber dann passiert nichts.“
In der Klimapolitik mahnte er zur Rücksicht auf die Wirtschaft: „Wir brauchen vor allem Technologieoffenheit, bezahlbare Energiepreise und endlich eine Entbürokratisierung.“ Zur inneren Sicherheit forderte er eine bessere Ausstattung der Polizei und konsequentere Abschiebungen bei fehlendem Aufenthaltsrecht. Gleichzeitig betonte er: „Vielmehr braucht es eine legale Migration“, um Fachkräfte zu gewinnen. Die Wehrpflicht lehnte er mangels Kapazitäten ab und setzte stattdessen auf Freiwilligkeit. Mobilität bedeute für ihn sowohl die Fortführung des Deutschland-Tickets als auch Investitionen in die Straßeninfrastruktur.
Dr. Wolfgang Reinhart (CDU) bezeichnete Bildung als den zentralen „Rohstoff“, der das Land voranbringe. Sein Credo: „Kein Abschluss ohne Anschluss.“ Er hob hervor, dass der Bildungssektor für die Landesregierung höchste Priorität habe und gerade der Main-Tauber-Kreis von Investitionen profitiere: „Hier geht es voran.“ Auch beim Klimaschutz sah er die Region in einer Spitzenposition, betonte aber: „Für mich ist es wichtig, dass wir technologieoffen bleiben.“
Reinhart erteilte einer Zusammenarbeit mit der AfD eine klare Absage; es dürfe keinen Platz für Nationalismus oder Extremismus geben. Er warb für ein starkes Europa als Gegengewicht zu den Weltmächten. Zur Wehrpflicht-Debatte schlug er vor, „Anreize zu schaffen und über eine bessere Besoldung zu reden“. Beim Thema Asyl gelte es, „Pullfaktoren zu beheben und auf eine europäische Lösung hinzuarbeiten“. Bezüglich sozialer Medien plädierte er für kreative Lösungen, um bewusst „Offline-Zeiten für mehr Kreativität“ zu schaffen.
Gerd Bayer (Grüne) rückte die Chancengleichheit in der Bildung ins Zentrum. Um diese zu finanzieren, forderte er die Abschaffung der Schuldenbremse, auch zur Entlastung der Kommunen. Mit Blick auf das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 erklärte er: „Wir brauchen vor allem Planungssicherheit.“ Das Deutschland-Ticket wolle er in jedem Fall beibehalten. Beim Asylrecht riet Bayer dazu, zunächst alle bestehenden rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen. Ein markantes Profil zeigte er bei der Mediennutzung: Er positionierte sich klar für ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren.
SPD-Kandidat Can Kurter schloss sich der Forderung nach massiven Bildungsinvestitionen an und mahnte, finanzschwache Kommunen nicht allein zu lassen: „Das Land muss mehr in die Verantwortung genommen werden.“ Klimaschutz müsse laut Kurter „sozial gerecht und wirtschaftlich machbar“ gestaltet werden. Einer Rückkehr zur Wehrpflicht erteilte er eine Absage und setzte auf Freiwilligkeit und Anreize für ein soziales Jahr. Beim Thema Migration forderte er einen „konsequenten Rechtsstaat“, ohne das Asylrecht auszuhöhlen. Ein Social-Media-Verbot hielt er für schwer durchsetzbar: „Vielmehr müssen die Plattformen mehr in die Verantwortung genommen werden.“
Am Ende des Abends hatten die Jugendlichen ein umfassendes Bild der politischen Konzepte erhalten – eine fundierte Basis für ihre Entscheidung am Wahltag. 

Ein großer Dank gilt insbesondere der Schülermitverantwortung, die maßgeblich an der inhaltlichen Vorbereitung beteiligt war und die Moderation der Veranstaltung übernahm.

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